Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie an einen schönen Garten denken? Sie werden mir zustimmen, wenn er als ein einladender Ort beschrieben wird, an dem sich die Natur von ihrer schönen Seite zeigt.   

Sind sie selbst der Besitzer dieses Gartens, haben Sie wahrscheinlich auch andere Bilder vor Augen: Sie sehen sich Unkraut jäten oder die Erde mühevoll bearbeiten und bewässern. Sie wissen, dass Sie sich in Bezug auf die Gartenarbeit keine zu langen Arbeitspausen erlauben dürfen, da sonst die Qualität und damit auch das Erscheinungsbild Ihres Gartens schnell darunter leiden würden.

Unsere Beziehungen gleichen ein Stück weit einem Garten. Nicht von ungefähr spricht man von der Pflege der Beziehungen. Ohne Gärtner wüchse Unkraut, so weit das Auge reicht. Die Erfahrung lehrt, dass es auch Unkraut in unseren Beziehungen gibt. Es wächst sogar ganz von alleine. Die gute Nachricht ist, dass wie der Garten vom Gärtner auch unsere Beziehungen von uns gestaltet werden wollen. Unsere Rolle sieht dabei immer etwas anders aus, je nachdem, ob es sich um die Beziehung zu uns selbst, zum Nächsten oder zu Gott handelt.

 

Die Beziehung zu mir selbst

Wie denke ich über mich selbst? Stelle ich mein Licht unter den Scheffel? Rede ich zu gut über mich, so dass es auch nicht der Realität entspricht? Mache ich mich durch einen ständigen inneren Monolog fertig: „Du schaffst es wieder nicht.“ Oder ermutige ich mich im Gegensatz dazu gedanklich?

Wie viel Zeit gebe ich mir selbst, um etwas zur Ruhe zu kommen? Gönne ich mir ab und zu einen Kaffee, gute Musik? Lese ich in einem inspirierenden Buch und komme ich zum Schlaf?

Auf was schaue ich tagtäglich? Welche Bilder lasse ich in meinen Kopf? Suche ich nach Inspirationsquellen in Kunst und Natur?

  

Die Beziehung zum Nächsten

In diesen Tagen sind meine Nächsten vor allem meine Frau und meine Kinder. So wenig begrüßenswert die Umstände sind, die uns nach Hause führen, so neu wird uns bewusst, dass Ehe und Familie die Keimzellen unserer Gesellschaft sind. Wir lernen wieder, was es heißt, „Hauskirche“ zu sein. Der Blick nach Innen, besonders auf Gott in unserer Mitte, und die Pflege einer Familienkultur werden unweigerlich zu einem neuen Erblühen aller gesellschaftlichen und kirchlichen Bereiche führen – darauf dürfen wir als Christen fest vertrauen. Dafür dürfen wir auch unseren Beitrag leisten, der immer im Kleinen und im unmittelbaren Umfeld beginnt.

Wie rede ich über meine Frau? Wie rede ich mit ihr? Erwähne ich ihre Stärken vor anderen? Spreche ich ihre Schwächen diskret und liebevoll unter vier Augen an? Sehe ich auch meine Schwächen und bemühe ich mich um Besserung? Baue ich sie mit Worten auf oder nicht? Weiß ich, was Worte wie „Danke, Bitte und Entschuldigung“ bewirken können? Wende ich diese auch an? Ermutige ich meine Kinder?  Sage ich meinen Kindern, wie stolz ich auf sie bin? Zeige ich ihnen meine bedingungslose Liebe? Setze ich den ersten Schritt für einen Neuanfang, wenn gestritten wurde? Zeige ich meinen Willen zur Versöhnung?

Nehme ich mir Zeit für meine Familie, unabhängig von meiner „Gefühlslage“? Sehe ich das Gute in meiner Familie? Oder blicke ich nur auf die Mängel? Schaffe ich trotz berechtigter Kritik, die gemeinsame Basis nicht aus dem Auge zu verlieren?

Die Beziehung zu Gott

Wie rede ich über Gott? Ergreife ich die Möglichkeit, mit ihm in allen Lagen des Lebens reden zu können? Schenke ich ihm Zeit? Verweile ich in Stille vor einem Kreuz oder mit der Hl. Schrift in Händen? Suche ich ihn mit ganzem Herzen, ganzer Kraft und all meinen Gedanken? Bringe ich auch Anliegen anderer Menschen zu ihm? Lasse ich ihn teilhaben an meinen Entscheidungen und Plänen? Frage ich nach seinem Willen? Bitte ich um seine Hilfe?

Welcher der drei Beziehungen sollen wir uns zuerst widmen? Hier hilft uns Jesus mit seinem berühmten Doppelgebot weiter. Es ist für Jesus klar, dass wir Gott lieben sollen und ebenso den Nächsten wie uns selbst. (vgl. u.a. Mk 12,28) Daraus geht hervor, dass diese drei Weisen zu lieben untrennbar miteinander verbunden sind. Isoliert voneinander führen sie uns in eine Sackgasse! Das Problem dabei könnte sein, dass das Wort Liebe in unseren Ohren schon sehr „abgedroschen“ ist. Nicht immer, wenn man von Liebe redet, ist auch Liebe dahinter. Wir dürfen Maß an jener Liebe nehmen, die Gott uns schenkt und in Jesus Christus für alle Zeiten offenbart hat. Nicht die Liebe oder das, was wir dafür halten, ist Gott, sondern Gott ist die Liebe. Die Liebe besteht nicht darin, dass wir Gott lieben, sondern dass er uns zuerst geliebt hat. (vgl. 1 Joh 4,10) Aus dieser Quelle dürfen wir im Garten unserer Beziehungen unbegrenzt schöpfen.

Mag. Johannes Czifra, Referat für Ehe und Familie