Teil 2 einer monatlichen Blog-Serie von Mag. Maria Eisl. Hier geht es zu Teil 1: „Dem Weisen gehört der Augenblick“

„Unser Sonnenschein ist auf der Welt“

Die Geburt

Ob das Baby will oder nicht, durch die Kontraktionen wird es in die neue Welt hinausgeschoben. Es wird bald entdecken, wie beengt und klein doch vorher die Welt im Mutterleib war und wie viel Schönes, Gutes und Neues die Welt bereithält.

Wenn die Geburt mit Komplikationen verbunden war, sollte dies bereits im Kindesalter besprochen werden. Wie wird es dir wohl bei der Geburt unter diesen Bedingungen (z.B. Nabelschnur um den Hals…) ergangen sein? Wenn nach der Geburt eine Trennung von der Mutter sofort notwendig war, könnte man mit dem Kind auf die Neugeborenen-Intensivstation des Krankenhauses gehen und bitten, ob man einen kurzen Blick auf den Brutkasten werfen darf. Das Kind wird dadurch erahnen können, dass die Eltern trotz notwendiger Trennung da waren und ihr Frühchen mit ihrer Gegenwart, Sorge und Liebe stets begleitet hatten.

Urvertrauen schaffen

Gerade in den ersten Lebensmonaten schaffen die Eltern in besonderer Weise das Vertrauen ins Leben. Das Baby kann in dieser ersten Lebensphase nicht zu viel geliebt werden. Der Mensch muss Zeit seines Lebens immer wieder Schritte ins Ungewisse wagen. Wenn dieses Urvertrauen grundgelegt ist, dann traut der Mensch dem Leben zu, dass es lebenswert ist. Er kann seinen Blick auf das Gute im Menschen und das Schöne in der Welt wenden. Ebenso entwickelt er aber auch ein gesundes Misstrauen gegenüber Personen, die es wirklich nicht gut mit einem meinen. Urvertrauen wird von den Eltern durch liebevolle Beziehung, Annahme, Geborgenheit, Zuwendung und Absättigung der Grundbedürfnisse aufgebaut. Das Fundament des Urvertrauens wird in den ersten drei Lebensjahren besonders gefestigt.

Stillen

Das Neugeborene sieht am Anfang nur wenige Zentimeter, jedoch genug, um beim Stillen das Gesicht der Mutter zu erkennen. Es hört den gewohnten Herzschlag wieder und erlebt, dass es umsorgt ist. Das Stillen zehrt an der Mutter und das Kind erspürt intuitiv, dass sich die Mutter ganz hingibt. Die Nächte können für die Eltern, und besonders für die Mutter, sehr herausfordernd sein. Ein Schlafmangel stellt sich schnell ein, wenn der Mutter untertags auf Grund der Versorgung von Geschwistern keine Ruhephase mehr gegönnt ist. Hier kann der Blick auf die Tatsache helfen, dass diese intime und zärtliche Zweisamkeit beim nächtlichen Stillen nur, während einem sehr kurzen Zeitfenster geschenkt wird. Sollte das Stillen aus wichtigen Gründen nicht möglich sein, empfiehlt es sich, beim Geben der Flasche dem Kind Hautkontakt zu ermöglichen und es an sein Herz zu drücken. Ich finde es großartig, dass es für viele Eltern selbstverständlich geworden ist, dass sie sich gegenseitig bei ihren Aufgaben helfen. So wird auch der Vater zur großen Stütze in dieser intensiven Zeit.

Aus den Zusammenhängen lernen

Nach der Geburt ist das Baby mit einem vorher nicht gekannten bedrohlichen Hungergefühl konfrontiert. Daher ist es wichtig, dass das Kind nicht nach Zeiteinheiten gestillt wird, sondern wenn es danach verlangt. So klein das Baby auch sein mag, es lernt aus den Zusammenhängen. Beim Saugen an der Brust oder Trinken aus der Flasche muss sich das Baby erstmals für etwas Gutes und Erstrebenswertes anstrengen und wird mit dem Gefühl des Sattseins und der Zufriedenheit belohnt. Das Saugen ist so zusagen die erste selbstgesetzte Handlung zur Lösung eines Problems. Der erste Lernprozess ist gegeben, dass das Leben von einem selbst auch ein Tun einfordert.

Schreien

Ein Baby schreit, wenn es etwas will und teilt so seine Bedürfnisse mit. Die Eltern werden bald „die Sprache des Baby`s“ unterscheiden lernen: Weint es: weil es Hunger hat – oder als Zeichen für Müdigkeit, – als Hinweis für eine nasse Windel – oder Vorliegen von Schmerz – oder einfach nur, weil es sich nach Streicheleinheiten oder Blickkontakt sehnt. Durch die Reaktion darf das Kind erleben, dass die Eltern seine Bedürfnisse ernst nehmen und es Wünsche auch mitteilen darf. Wie wichtig ist dieses Wahrgenommen werden für das spätere Vertrauen darauf, dass ich gehört werde, wenn ich mich mitteilen will. Das Selbstwertgefühl sowie die Fähigkeit zur Kommunikation werden durch das ständige Ignorieren des Schreiens – so nach dem Motto, das Baby wird sich schon wieder von selbst beruhigen – geschwächt.

Seelische Nähe

Eltern müssen für ihr Kind da sein, wenn sie gebraucht werden. Die Nahrung und die Pflege allein würden nicht ausreichen, um das Urvertrauen in ein Kinderherz zu legen. Ein Kind erspürt durch die geschenkte Liebe, die seelische Nähe und Hingabe, dass sein Leben und sein Glück den Eltern wichtig sind. Das Kind erlebt dadurch, dass es wertvoll und kostbar ist. Wenn sich Eltern von Gott her bedingungslos geliebt wissen, können sie trotz der eigenen menschlichen Begrenztheiten, im Vertrauen auf Gott, der die Liebe ist, ihrem Kind diese bedingungslose Liebe schenken.

Mag. Maria Eisl, Referat für Ehe und Familie, Mutter von vier Kindern, Gründerin des Elternprojektes „Tief verwurzelt“

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