Impulse für das Leben zu Hause

– ob allein oder mit der Familie

Ausgangsbeschränkungen, soziale Distanz, Angst vor Ansteckung, Schreckensmeldungen über die Ausbreitung des Corona Virus in vielen Ländern prägen derzeit unser Leben.  

Trotzdem sehen wir schon ansatzweise, dass in jeder Krise auch eine Chance steckt. Der Zukunftsforscher Mathias Horx hat die Chancen, die in einer Veränderung liegen,  eindrucksvoll beschrieben (Horx, Das ist ein historischer Moment, Kurier 18.3.2020)  Aber wie geht das nun, wie können wir eine Krisenzeit wie jetzt, wo wir auf wesentliche Lebensvollzüge beschränkt sind,  allein oder im Verband mit anderen, als Gemeinschaft, als Familie, gut meistern? Ich gebe Euch einige Tipps und beziehe mich dabei auf den sehr wertvollen Youtube Beitrag von Dr. Johannes Hartl.  

  • Einem festen Tagesplan folgen: Nicht beliebig in den Tag hineinleben, sondern einer Struktur folgen. Schon am Vortag überlegen, welche Dinge ich am nächsten Tag erledigen will und daran festhalten.  

  • Feste Schlafenszeiten: Ein guter Rhythmus ist wichtig, um die innere Stabilität zu bewahren. 

  • Jeden Tag mit einer festen Routine beginnen. Das ist wichtig für Menschen, die zu Schwermut oder Depression neigen. Eine feste Routine, wie Waschen, Körperpflege usw. hilft, um in Bewegung zu kommen und nicht schweren Gedanken nachzuhängen.  

  • Regelmäßig Sport treiben. Es baut Botenstoffe, wie Serotonin, im Gehirn auf, was sich auf die Stimmung auswirkt. Das können kleine Workouts zuhause sein. Für eine Familie mit Garten kann ein Hometrainer oder ein Circle im Garten hilfreich sein, um auch miteinander Spaß zu haben. 

  • Gute anspruchsvolle Lektüre lesen.  Auch unser Gehirn möchte „gefüttert“ werden.  Die beste Zeit ist dabei am Vormittag. Literatur, die aufbaut, ermutigt, Stärkung für das Leben bringt (zb. Zeugnisse von Menschen, die einen Weg des Glaubens gegangen sind).

  • Eine Stunde am Tag in der Natur verbringen. Kleine Spaziergänge mit der Familie. Das Zwitschern der Vögel, das Erwachen der Natur beobachten. Dabei kann man als Familie kleine Ratespiele einbauen (wer errät Vogelstimmen, welche Blumen finden wir am Weg? Usw.). Wir bauen damit Vitamin D auf. Manchmal hilft schon ein Blick aus dem Fenster, wenn draußen etwas Grünes sichtbar ist. Oder auf den Balkon oder die Terrasse gehen. All das baut unsere Psyche auf.  

  • Zeiten für Video schauen beschränken. Das ist in der Fastenzeit ohnehin gut.  Wenn wir viel Zeit dafür investieren, ist es schwer möglich, eine innere Struktur zu bewahren. In der Familie können wir uns gegenseitig dabei helfen. Dafür dann am Wochenende oder am Sonntag einen gemeinsamen Familienfilm anschauen. Dazu gehört natürlich der totale Verzicht auf jegliche Pornosendung. Sie befriedigen nicht die Sehnsucht nach Intimität und Nähe, sondern sind ein Kurzschluss, der süchtig macht.  

  • Bewusste Skype-Termine oder Telefonate  mit Verwandten, zu denen man zb. schon länger keinen Kontakt hatte oder guten Freunden. Überlegt für jeden Tag ein längeres Telefonat oder Skypetelefonat.  Es kann auch schön sein, sich mit Geschwistern, die in der Ferne sind, regelmäßig über Skype zu treffen. Es tut einfach gut, von Zeit zu Zeit sein Herz auszuschütten, auch Sorgen und Nöte miteinander zu teilen, nicht immer stark sein zu müssen.  

  • Ordnung und Sauberkeit in der Wohnung und bei der Kleidung halten. Es kann eine gute Gelegenheit sein, sich von Dingen, die man schon lange nicht mehr gebraucht hat, bewusst zu trennen. Johannes Hartl sagt: Wer sein Bett oder den Boden vermüllen lässt, hat es immer schwerer, Hoffnung zu haben.  

  • Täglich Zeiten für das Gebet einplanen. Besonders diese Notzeit ist ein Anlass, den eigenen Horizont zu übersteigen und die Fürbitte zu entdecken. Wir können uns dabei den Intentionen der Kirche anschließen und zb. täglich als Familie oder allein einen Rosenkranz für die Beendigung der Epidemie, für die Menschen, die uns dienen, für bestimmte Länder usw beten. Familiengebet: Es ist wichtig, auch für das Familiengebet eine gute Struktur und Regelmäßigkeit zu haben. Wichtiger als die Quantität ist die Regelmäßigkeit, zb. jeden Tag um 20.00 Uhr eine Viertelstunde. 

  • Messe und Anbetung: Wunderschöne Angebote sind auch die Hl. Messen, die über viele Kanäle über Livestream angeboten werden. Wenn es uns nicht möglich ist, tatsächlich zu kommunizieren, ist es möglich, die geistige Kommunion zu empfangen (zb.  feiert P. Karl Wallner von missio-Österreich jeden Tag um 12 Uhr die Hl. Messe und betet nach der Kommunion ein Gebet für den geistigen Kommunionempfang, siehe www.missio.at). Wenn es in der Nähe eine Kapelle gibt, wo das Allerheiligste ausgesetzt ist, bietet sich die schöne Gelegenheit, eine persönliche stille Zeit vor dem Herrn zu verbringen 

  • Hl. Schrift: Eine schöne Form, die man auch in der Familie leben kann, ist, die Texte der Hl. Schrift aus dem Schott oder als Handy-App zu betrachten. (zb. Evangelizo oder Evangelium Tag für Tag, jeweils mit wertvollen Betrachtungen). In der Familie ist es schön Austausch zu halten über das Wort Gottes, eine gegenseitige Bereicherung. Persönlich Zeit nehmen zum Bibel lesen. Es ernährt den Geist im Inneren. Fangen Sie entweder ganz am Anfang im Buch Genesis an oder im Neuen Testament.

  • Zeit als Familie, Zeit des Miteinanders: Nutzen wir die Zeit für gute Begegnungen, Gespräche, Spiele… Gibt es  zu Hause irgendwo Spiele, die irgendwann unter dem Christbaum lagen, aber nie benutzt wurden? Entdecken Sie alte und neue Gesellschaftsspiele, kochen Sie miteinander etwas Gutes, machen Sie gemeinsam Musik usw.  

  • Gemeinsame Verantwortung für die Wohnung, das Haus: Für uns als Familie ist – auch mit größeren Kindern immer noch die gute alte Dienstliste hilfreich. Wir wechseln alle zwei Tage Dienste wie Staub saugen, Tisch decken, Kochen, Abwaschen usw. Jeder ist für sein eigenes Zimmer selbst verantwortlich. 

  • Begabungen fördern, etwas Kreatives tun. Dabei kann man das Internet hilfreich einsetzen. Es gibt viele Tutorials für Kochrezepte, Basteleien, Graphikdesign, Fremdsprachen usw. Was können wir in dieser Zeit Produktives lernen, was würde mir/uns Freude machen? 

  • Humor: Lachen stärkt das Immunsystem. Wir hören tagtäglich viele Schreckensnachrichten in den Medien. Wie ein Gegenpol ist es, einander Gelungenes, Schönes, Lustiges zu erzählen, oder miteinander entspannende, humorvolle Filme anzuschauen.  

  • Lebe genau einen Tag. Machen Sie sich einen Plan für einen Tag. Wer sich zu viele Vorsätze vornimmt, scheitert nicht selten. Lesen Sie dazu das „Sorgenevangelium“: Der morgige Tag wird für sich selbst sorgen (Mt 6, 25 ff). Leben wir Im Hier und Jetzt. Vergangenheit und Zukunft setzen uns in  Stress. Alles andere wissen wir nicht, es wird sich zeigen.  

  • Dankbarkeitsliste: Schreiben Sie jeden Tag 10 neue Sachen auf, die schön waren, wo etwas gelungen ist, wofür Sie dankbar sind. Sammeln sie diese kleinen Perlen des Alltags in einem „Familienkrug“ und teilen Sie sich diese am Ende der Woche mit. Wir vergessen oft, uns an das Gute zu erinnern. 

  • Wir sind für unsere Emotionen verantwortlich. Wir können nicht all unseren Frust, Trauer, Schmerz ungefiltert an andere abgeben. Zwischen Reiz und Reaktion liegt der Raum der Freiheit. Es gibt vieles, was wir nicht unter Kontrolle haben, eine Krankheit, ein verpasstes Semester usw. Aber wie wir darauf reagieren, das liegt in unserer Hand.  

  • Trauen Sie den eigenen Gedanken nicht, wenn es in Ihnen tobt. Das ist ein wichtiges Prinzip zur Unterscheidung der Geister. Häufig versuchen wir, mitten in der Krise nachzudenken, aber in dem Moment ist das Denken nicht objektiv. Deshalb sollte man den eigenen Gedanken nicht trauen, wenn man zu viel Angst hat und in dieser Zeit auch keine großen Lebensentscheidungen treffen. Tauschen Sie sich mit guten Freunden aus und manchmal  ist atmen besser als denken 

  • Dinge regeln: P. Karl Wallner hat in diesen Tagen in einer Predigt etwas Humorvoll gesagt, dass er jetzt auch über den Tod reden will. Wer das nicht aushält, kann  drei Minuten den Raum verlassen. Ja, es stimmt, es ist ein Dienst der Liebe, jetzt in der Zeit der Gesundheit Dinge zu regeln, zb. ein Testament zu schreiben, den Ort für die letzte Ruhestätte auszuwählen, dafür Geld auf die Seite zu legen und diese Bürde nicht den Nachkommen zu überlassen. P. Karl hat selbst mit 22 sein Testament verfasst. In einem Psalm gibt es das schöne Wort: Selig der Mann, der das Seine ordnet, wie es recht ist.  

  • Gott hält unsere Wut, Enttäuschung, Einsamkeit aus – bringen wir sie ihm. Das ist mehr als ein frommer Wunsch. Gott ist nahe auch in Krisenzeiten. Wenn wir das Schwere zum Gebet machen, bleiben wir nicht im Kreisen um uns selbst. Wir können, sollen auch für andere beten.  

  • Verzichte aufopfern: All das Schwere hindert uns nicht, den Glauben fruchtbar zu leben. Es gibt so viele Möglichkeiten, kleine und größere Opfer zu bringen, all das Schwere, Belastende und manchmal für uns Sinnlose anzunehmen und es in Gnade für andere und Liebe zu verwandeln.  

Diese Zeit wird enden und sie kann zum Nutzen werden. Wenn wir zurückschauen, werden wir merken, dass wir daraus etwas gelernt haben. Es war keine vergeudete Zeit.   

Ein schönes Wort zum Abschluss:  

In der Dunkelheit ist es besser eine Kerze anzuzünden, als über die Dunkelheit zu klagen (chinesisches Sprichwort) 

In diesem Sinne: Sehen wir diese Zeit als Chance für uns persönlich und für unser Miteinander.  

Mag. Kurt Reinbacher, Referat für Ehe und Familie

verantwortlich für: Salzburger Akademie für Ehe und Familie und „Es ist Zeit für ein Gespräch“